Wie unterstützt die Sparkasse den örtlichen Mittelstand in der Corona-Krise?

veröffentlicht am 26. März 2020 um 11:37 Uhr | Kategorie: Finanztipps

Interview mit Markus Lanz, Vorstand Firmen- und Geschäftskundenberatung der Sparkasse Oberland

Markus Lanz Vorstandsmitglied

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, im Moment ist das bestimmt nicht einfach. Wie sieht es gerade in der Sparkasse Oberland aus?

Markus Lanz: Wir arbeiten im Hochbetrieb, auch wenn es nach außen manchmal ruhig aussieht. Wir haben zwar etwa ein Drittel unserer Geschäftsstellen vorübergehend geschlossen – nur den bedienten Service – aber wir sind für unsere Kunden jederzeit telefonisch und online da. Unsere wichtigste Aufgabe ist gerade, die Hilfsprogramme der Förderbanken für Unternehmen, die wegen der Corona-Krise Liquiditätshilfen brauchen, auf den Weg zu bringen.

Gibt es viele Unternehmen hier im Oberland, die einen solchen Förderkredit in Anspruch nehmen wollen oder müssen?

Markus Lanz: Wir sind gerade mit ca. 400 Kunden deswegen in Kontakt. Allerdings rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg an Bedarf in den kommenden Wochen und bereiten uns darauf vor. Für die Beratung und Kreditbearbeitung der Firmenkunden stocken wir unsere Personalkapazitäten auf und setzen Mitarbeiter aus anderen Bereichen dafür ein. Auch die Kreditbearbeitungsprozesse werden schlanker und schneller gemacht. Viele Informationen haben wir auch auf unserer Internet-Filiale bereit gestellt.

Welche Unternehmen können denn Zuschüsse bekommen?

Markus Lanz: Achtung, hier muss man aufpassen. Die Finanzierungsmittel der Förderbanken sind keine Zuschüsse, sondern Kredite zu günstigen Konditionen. Und sie können in einem leicht vereinfachten Verfahren vergeben werden, da LfA Förderbank Bayern und KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau bis zu bestimmten Kredithöhen auf eine eigene Kreditprüfung verzichten und sich auf das Urteil der Sparkassen verlassen. Wer einen Antrag stellen will, wendet sich also an seine Hausbank. Der Prozess soll schnell und unkompliziert laufen, die Kreditprüfung bei der Sparkasse entspricht aber natürlich weiterhin den banküblichen gesetzlichen Vorgaben. Im Rahmen der Sorgfaltspflicht prüfen wir, ob Antragsteller auch als kreditwürdig eingestuft werden können, und dazu benötigen wir von den Unternehmen die Vorlage der letzten Bilanzen, einer betriebswirtschaftlichen Auswertung (BWA) des Jahres 2019 und einer Liquiditätsplanung.

Ist das in dieser Ausnahmezeit nicht zu streng?

Markus Lanz: Leider nein, denn es ist auch klar, dass unser Staat nicht einfach alles verschenken kann. Es muss klare Regeln geben und die heißen, dass antragstellende Unternehmen grundsätzlich ein tragfähiges Geschäftsmodell haben müssen und darlegen müssen, dass sie durch die Corona-Krise in Finanzierungsschwierigkeiten geraten sind und nicht schon vorher in Schieflage waren. Die Politik betont auch immer, dass allen Unternehmen geholfen wird, die vor der Corona-Krise gesund waren.

Muss man sich beeilen, um einen der Förderkredite zu bekommen?

Markus Lanz: Im Moment laufen die Programme gerade an. Erst seit Montag gibt es Klarheit über die Konditionen bei der KfW, im Laufe der Woche rechnen wir mit finalen Konditionen bei der LfA. Insofern besteht kein Grund zur Eile. Beachten sollte man aber, dass die Mittel nicht sofort auf dem Firmenkonto ankommen, Antragsbearbeitung und Auszahlung dauern schon einige Tage.

Und was können kleinere Gewerbetreibende und Selbständige tun?

Markus Lanz: Viele können Soforthilfe aus dem Schutzschirm des Freistaats Bayern beantragen. Die Antragstellung läuft dabei nicht über die Hausbanken, sondern über die Regierungsbezirke. Das Antragsformular findet man auch auf unserer Internet-Filiale.
Für Selbständige und Freiberufler ist außerdem eine weitere bundesweit geltende Soforthilfe für kleinere Firmen beschlossen. Hier wird es um die Betroffenen gehen, die von den bestehenden Programmen nicht ausreichend erfasst werden. So werden mehrere Schirme aufgespannt um den Unternehmen und Selbständigen finanzielle Rückendeckung in der Corona-Krise zu geben. Das ist sehr wichtig, denn wir alle wollen, dass unsere Wirtschaft auch nach der Krise so leistungsfähig ist wie zuvor.
Für alle Unternehmen gelten weiterhin die Erleichterungen bei Kurzarbeit und auch Steuerstundungen können beantragt werden.

Hier können Hilfs­kredite der Kreditanstalt für Wieder­aufbau (KfW) und der Förder­institute der Bundes­länder beantragt werden.

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